Wenn wir jemanden nicht vergessen können, obwohl der andere einen verletzt hat, geht es oft gar nicht nur um diesen Menschen. Meist berührt dieser Mensch ein altes Gefühl in dir, nämlich dass du nicht gut genug bist. In diesem Artikel zeige ich dir drei Schritte, mit denen du dich daraus lösen kannst: den anderen vom Podest holen, dein Muster erkennen und deine Gefühle wirklich zulassen, um sie wirklich auflösen zu können.

Wenn guter Wille allein nicht hilft
Kennst du das Gefühl, wie besessen von einem anderen Menschen zu sein? Deine Gedanken drehen sich rund um die Uhr nur um eine Frage: „Wie kann ich diesen Menschen zurückgewinnen?“ Oder: „Wie verhindere ich, dass ich ihn verliere?“
Egal, was du versuchst. Du lenkst dich ab, du willst loslassen, du arbeitest an dir. Und trotzdem liegst du Nacht für Nacht wach und wälzt dich im Bett herum. Tagsüber kannst du dich kaum auf deine Arbeit konzentrieren. Deine Hobbys und Freundschaften machen dir keine Freude mehr.
Vielleicht geht es deinem Umfeld auch schon ein bisschen auf den Keks. Du hörst Sätze wie „Lass doch endlich los“, „Lern jemand anderen kennen“ oder „Guck doch mal, wie er dich behandelt hat“. Aber ganz ehrlich: Es ist ziemlich egal, was andere sagen. Deine Gefühle fahren Achterbahn, und deine Gedanken drehen sich im Karussell. Und die Gedankenspiralen sind erschöpfend.
Warum kann ich diesen Menschen nicht vergessen?
Das Wichtigste zuerst: Vielleicht geht es gar nicht nur um den anderen Menschen.
Ich weiß, dieser Satz kann sich falsch anfühlen. Du denkst: „Das war meine wahre Liebe. Die Chemie hat so gestimmt. Es war doch so schön zwischen uns.“ Und das möchte ich dir auch gar nicht absprechen.
Was du in diesem Menschen gesehen hast, ist möglicherweise sein wahrer Kern, das Potenzial hinter dem, was er dir alles nicht geben oder sagen konnte. Dass du das erkennen kannst, spricht für dich. Daran musst du nicht zweifeln, auch wenn andere sagen: „Vergiss ihn, es gibt Bessere.“ In diesem Moment gibt es für dich niemand Besseren. Mit deinen Gefühlen ist alles richtig, und manche Verbindungen gehen tief, egal was passiert ist – und Seelenverbindungen, wie Dualseelen, sind echt, egal was manche Menschen, die es nie erlebt haben, darüber denken.
Worauf du aber schauen darfst, ist etwas anderes: Nämlich, mit welcher Perspektive du auf diesen Menschen blickst, und wie du dich selbst dabei siehst.
Schritt 1: Hol den anderen vom Podest
Wenn du jemanden nicht loslassen kannst, hast du ihn oft auf ein Podest gestellt. Er steht über dir, und du schaust zu ihm hoch.
In deiner Vorstellung hat dieser Mensch all das, was dir fehlt und was du so gern hättest. Du stehst unten und glaubst: Nur wenn er dich endlich sieht, anerkennt, vermisst und dir seine Liebe zeigt, zieht er dich zu sich hoch. Aber so funktioniert es nicht.
Hier ist eine kleine Übung für dich, mit der du prüfen kannst, ob du den anderen auf ein Podest gestellt hast:
- Schließe die Augen und stell dir euch beide nebeneinander vor.
- Achte darauf, wer höher steht. Meist merkst du schnell: Der andere steht über dir.
- Stell dir nun vor, wie du wächst und größer wirst als er.
- Spüre nach, was sich dadurch in deinem Körper verändert.
Die Vorstellung, dass der andere alles hat, was du jetzt unbedingt brauchst, ist eine Illusion. Von ihr darfst du dich als Allererstes verabschieden. Denn das Gefühl, nicht gut genug zu sein, ist vermutlich schon sehr lange in deinem System. Doch ab jetzt gilt, dass du gut genug bist für die Liebe, und du brauchst niemanden, der dir deinen Wert erst beweisen musst!
Du bist gut genug!
Schritt 2: Erkenne dein altes Muster
Frage dich im nächsten Schritt ganz ehrlich: Ist dieser Mensch wirklich der Erste, der dieses Gefühl in mir auslöst? Oder gab es schon viele andere davor?
Nimm dir dafür einen Notizblock und schreib auf, wie es mit anderen Menschen in deinem Leben war. Schau dir frühere Beziehungen und Freundschaften an. Und geh ruhig zurück bis in deine Kindheit, zu deinen engsten Bezugspersonen.
Diese Fragen helfen dir beim Schreiben:
- Wann standen andere emotional über mir?
- Wann hatte ich das Gefühl, mich beweisen zu müssen?
- Bei wem habe ich darauf gewartet, dass er mir durch seine Liebe meinen Wert zeigt?
- Wo wollte ich unbedingt gesehen und gehört werden?
Wenn du dir diese Fragen ernsthaft ansiehst, wirst du vielleicht staunen, wie oft du dich im Leben kleiner machst als du bist, obwohl du es bisher nie bemerkt hast.
Das ist auch kein Wunder. Wir wachsen in Strukturen auf, in denen es normal ist, dass jemand über uns steht: erst die Eltern, dann die Lehrer, später die Vorgesetzten. Dieses Muster zieht sich durch bis in unsere Beziehungen. Wir glauben dann, ein bestimmter Partner würde uns aufwerten und zu einem besseren Menschen machen. So wie Hollywood, Netflix und unzählige Romane und Gedichte uns immer wieder vormachen.
Deshalb lade ich dich ein, genau hinzuschauen: Wo ist dieses Gefühl eigentlich entstanden? Wann in deinem Leben habe ich dieses Gefühl zum ersten Mal gespürt? Und welche Menschen haben mir dieses Gefühl, nicht gut genug zu sein, gespiegelt.
Und wenn du hier Hilfe brauchst, hole sie dir bitte – gerade wenn du bei der Suche auf traumatische Erinnerungen triffst oder du das Gefühl hast, du schaffst es nicht alleine! Dies gilt auch für den nächsten Schritt:
Schritt 3: Fühle deine Gefühle, statt sie wegzudrücken
Der Schlüssel, um wirklich loszulassen, liegt nicht im Kopf. Er liegt im Fühlen.
Wenn Angst, Verlustangst oder Schmerz hochkommen, drück sie nicht weg. Lass sie da sein und fühle sie bewusst. Ein Gefühl kann sich nur auflösen, wenn es wirklich gefühlt wird.
Es gibt ein schönes Bild dazu: Gefühle sind wie Wellen. Eine Welle bricht erst, wenn sie ihre volle Höhe erreicht hat. Genauso ist es mit deinen Emotionen. Drückst du sie immer wieder weg, können sie ihre volle Höhe nie erreichen. Sie bleiben in deinem System stecken und warten nur auf den nächsten Moment, um wieder hervorzubrechen.
Das erklärt auch, warum Ablenkung auf Dauer nicht hilft. Wenn du die Gedanken an jemanden „überwindest“, indem du dich zum Beispiel in die nächste Beziehung stürzt, hast du den Trennungsschmerz nie aufgelöst. Und dann meldet sich das alte Gefühl sehr wahrscheinlich wieder. In diesem Fall mit einem neuen Menschen, aber mit demselben Muster.
Deine Krise ist eine Chance
Ich weiß, wie schwer sich diese Zeit gerade anfühlt. Und gleichzeitig steckt darin eine echte Gelegenheit: Du kannst dieses alte Muster jetzt ein für alle Mal auflösen.
Hier sind die drei Schritte noch einmal im Überblick. Schreibe sie dir auf, damit du sie bei der nächsten emotionalen Gedankenspirale aufrufen kannst:
- Hol den anderen vom Podest. Er hat nicht das, was dir fehlt.
- Erkenne dein Muster. Das Gefühl, nicht gut genug zu sein, ist älter als diese Beziehung.
- Fühle deine Gefühle. Nur was gefühlt wird, kann sich lösen.
Möchtest du Unterstützung auf deinem Weg?
Du musst diesen Weg nicht allein gehen. Wenn du merkst, dass du allein nicht weiterkommst, begleite ich dich gern dabei, die Ursache zu finden und zu lösen. In einer gemeinsamen Blockadenlösung gehen wir behutsam zum Ursprung von Verlustangst und Trennungsschmerz zurück und lösen die Muster dort auf, wo sie einst entstanden sind.
Du möchtest erst einmal in Ruhe alleine an das Thema herangehen? Dann lade dir gerne mein kostenloses Workbook Trennung überwinden herunter.
Häufige Fragen
Warum kann ich jemanden nicht vergessen, obwohl er mir nicht guttut?
Oft geht es nicht um den Menschen selbst, sondern um ein altes Gefühl, das er in dir berührt. Häufig ist es das Gefühl, nicht gut genug zu sein. Dieses Muster stammt meist aus früheren Beziehungen oder aus der Kindheit.
Wie werde ich die ständigen Gedanken an eine Person los?
Hol die Person gedanklich vom Podest, erkenne dein wiederkehrendes Muster und fühle die Gefühle, die hochkommen. Wegdrücken oder Ablenkung verschieben das Problem nur.
Hilft eine neue Beziehung, um jemanden zu vergessen?
Meist nur kurzfristig. Wenn das zugrunde liegende Gefühl nicht gelöst ist, taucht dasselbe Muster mit dem nächsten Menschen wieder auf.
Was hat Verlustangst mit meiner Kindheit zu tun?
In der Kindheit lernen wir, wie viel wir wert sind und wie wir Liebe bekommen. Mussten wir uns Anerkennung verdienen, suchen wir später oft Partner, die über uns zu stehen scheinen.
Wie kann Blockadenlösung bei Liebeskummer helfen?
In der Blockadenlösung suchen wir gemeinsam den Moment, in dem das Gefühl zum ersten Mal entstanden ist. Wird die Ursache gelöst, verliert das Gedankenkarussell seine Kraft.
